Meine Reise zu mir selbst – Teil 4 Die Yogalehrerausbildung

Jeden Morgen um 6:15 Uhr klingelte mein Wecker.

Um 7:15 Uhr trafen wir uns in der Yoga-Shala und fingen selbstständig mit dem Aufwärmen an.

Ich bin kein Frühaufsteher und so ging ich noch im Halbschlaf jeden Morgen den Weg durch die atemberaubende Natur des Hotelgeländes. Die Holzbbrücke, die Pflanzen und die Geräuschkulisse der Tierwelt stimmten direkt in den Tag ein.

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In der Yoga Shala war der Duft umhüllt von Räucherstäbchen. Es lief leise Musik. Die spirituelle Energie war fühlbar. Wir sprachen nicht miteinander bis wir mit dem Unterricht anfingen.

Die erste Yogastunde nach dem langen Flug konnte ich kaum erwarten.

Endlich meinen Körper bewegen.

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Gott sei Dank, es wurden keine Masterasanas und Superakrobatik oder ähnliches verlangt. Nein, es waren tolle Abfolgen von Übungen. Das Niveau war genau richtig. Ich fühlte mich gefordert aber nicht überfordert.

Geschwitzt habe ich allerdings wie selten zuvor. Die Luftfeuchtigkeit machte sich recht schnell bemerkbar.

Ich war im Hund als ich sah, dass ein Tropfen auf meiner Matte war. Ok, dachte ich mir, es regnet nicht und wir sind ohnehin überdacht. Dann muss der wohl von mir sein…

Das war ich als eigentlich „trockener“ Sportler von mir überhaupt nicht gewohnt. War ich doch diejenige die meine Freundin mal nicht als Mensch bezeichnet hatte, weil ich nach dem größten Workout im Fitnessstudio noch nichtmal ansatzweise Ränder am Shirt hatte…

Nach ein paar Vorwärtsbeugen und Kriegern war die Zeit auch schon vergessen und ich war richtig im Flow.

Müdigkeits- oder Hungergefühle waren schnell verflogen und ich genoss einfach nur die Bewegung und spürte meinen Körper.

Es war ein Geschenk in dieser tollen Umgebung Yoga praktizieren zu dürfen

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Das morgendliche Programm aus Asanas, Pranayama und Meditation ging knapp 3 Stunden.

Komme immer mehr in deinen Körper. Fühle ihn. Was braucht er. Beobachte. Fühle wer du bist. Habe Vertrauen. Intuition. Führung. Was ist dein Weg. Liebe. Selbstliebe. Freude. Akzeptanz. Hingabe. Jeden Tag setzten wir eine neue Intention für unsere Praxis.

Die Übungen waren nicht wirklich das Problem.

Die eigentliche Herausforderung war für mich das lange Sitzen.

Zu Hause und in meiner bisherigen Yogaschule saß ich vielleicht 10min im Meditationssitz und selbst da ziepte und klemmte es schon manchmal, dass ich mich bewegen musste.

In Bali saßen wir oft eine halbe Stunde.

Am Anfang hatte ich damit richtig Probleme weil meine Beine immer einschliefen und ich betete erlöst zu werden 😉

Aber auch hier gibt es Techniken und letztendlich kann man alles trainieren. Langsam und Schritt für Schritt. Achtsam mit dem Körper.

Meine Spinnenphobie konnte ich direkt am ersten Tag über Bord werfen. Denn inmitten der schönen Natur, gab es natürlich auch viele Tiere… so krabbelten diverse kleine Kriechtiere immer wieder über meine Yogamatte. Atmen. Bei dir sein. Als dann mal etwas über mein Gesicht gewandert ist, konnte ich mich leider nicht zurückhalten und streifte es ab. Die weiße Spinne die eben noch auf meinem Kopf war setzte sich direkt neben meine Matte und wartete dort solange bis ich mit meiner Yogapraxis fertig war.

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Nach der Yogapraxis durften wir unser Tagebuch holen und aufschreiben was uns einfällt.

Und nach so einer intensiven Yogapraxis und Meditation fällt dir definitiv etwas ein!

Sehr oft schrieben wir auf wofür wir an diesem Tag und in unserem Leben dankbar waren. Der wirkungsvollste Weg zum Glück = Dankbarkeit

Ich teile hier mit euch einen Auszug aus meinem Tagebuch an Tag 11. Das war für mich der intensivste und schönste Tag an welchem ich meine ganz persönliche Antwort gefunden habe. Das Thema an diesem Tag war, wer bin ich und Sat Chit Ananda.

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Das erste vegane Essen am Tag gab es immer erst nach der Praxis. Uns erwartete ein Meer frischer Früchte und viel frisches Gemüse, Getreide und Hülsenfrüchte. Veganes Sushi, vegane Lasagne, Sommerrollen. Als nicht Veganer war ich von der Vielfalt überrascht und habe ich es sehr genossen. Ich gebe aber auch zu, dass mir Milchprodukte schon nach zwei Wochen gefehlt haben.

Dazu gab es ungesüßte Säfte und Tee. Zugegeben die Getränke waren nicht immer ein kulinarischer Genuss. Zumindest am Anfang hatte man bei einem dunkelroten Getränk eher etwas Süßes erwartet und war dann leicht überrascht, wenn e bitter oder fast geschmacklos war.

Aber der Gaumen gewöhnte sich recht schnell daran.

Nachmittags chillten wir gemütlich auf unserer Yogamatte in der Shala und unterhielten uns mit Sathya über Gott und die Welt und natürlich die Yoga Philosophie.

Hier wurde es manchmal sehr tiefgründig und auch tränenreich und wir kamen Stück für Stück der Lehre aus den Schriften näher indem immer wieder Bezug zur Realität und dem heutigen Leben genommen wurde. Dabei beschäftigten wir uns auch mit der Frage, was kommt nach dem Tod. Gänsehautmomente.

Selbstverständlich bestand ein großer Teil aus der sogenannten Asana Lab. Der Lehre über die einzelnen Asanas, ihre Wirkung, die genaue Ausrichtung, die Anatomie. Wir lernten spielerisch und in Gruppenarbeit. Auch das Präsentieren.

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Neben der „normalen“ Praxis und Lehre gab es aber auch noch viele energetische Übungen. Wir hatten u. a. eine Gastlehrerin die uns die Chakren und deren Energiefluss lehrte.

Beim Thema Hands ON, wo und wie kann ich mit meinen Händen meinen Schüler unterstützen, dass er richtig in die Asana kommt, gab es ein optisches Schmankerl. Der unwiderstehliche Carlos Romero, der uns auf seine sehr sympathische und humorvolle Art anleitete und über 30 Frauen die enthaltsam leben sollten (nicht nur von Fleisch und Alkohol) leicht aus der Fassung brachte… 😉

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Fast jeden Abend gab es Chanting. Für die die wie ich damit noch nicht wirklich Berührung hatten, das ist ein gemeinsames Singen von Mantren.

Wikipedia kann es besser erklären:

Chanting, Chanten (von engl. to chant = (ab)singen, rhythmisch rufen, engl. chant = (feierlicher) Gesang von religiösen Liedern oder Mantren.
Im Unterschied zum „professionellen“ Singen geht es beim leistungsfreien Chanting nicht um musikalische Perfektion oder Kunst, sondern darum, durch länger andauerndes Wiederholen und die Konzentration auf den Chant und die Gruppe soziale, gesundheitsfördernde und transzendente Wirkungen zu entfalten. Stehen die gesundheitsfördernden Wirkungen im Vordergrund (z. B. Abbau von Stress, Senkung des Blutdrucks), wird Chanten oft auch als „Heilsingen“ bezeichnet. Viele Krankenhäuser und psychosomatische Kliniken bieten das Chanting als Therapieform an.
Verschiedene Formen des Chanting finden sich in vielen spirituellen Traditionen, zum Beispiel im Hinduismus, Buddhismus, Christentum, Judentum, Sufismus, Wicca und bei nativen Kulturen. Als religiöse Praxis bekannt ist es unter anderem bei den Anhängern der Hare Krishna-Bewegung.

Ich muss sagen, das hat mich mit am meisten überrascht. Ich bin nicht der große Sänger und ich hatte keine Erfahrung damit aber ich hatte zu meiner eigenen Überraschung richtig Spaß am Chanten.

Wir lernten sogar ein paar einfache Mantren auf dem Harmonium zu spielen und nach und nach trauten wir uns auch zu tanzen. Da mir das Sitzen auf dem Boden ja ohnehin schwer fiel, war ich beim Tanzen natürlich gerne dabei 😉

Es gab mir so viel Freude und Energie, was ich nicht für möglich gehalten hätte.

Und haben wir mal einen Abend nicht gechantet, habe ich es regelrecht vermisst.

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Hare Krishna, Om Sat Chit Ananda, Jay Ma oder Shiva Shambo sind mittlerweile fest verankert und immer wieder gern gesungen 😉

Darüber hinaus hatten wir eine Lehrerin aus den USA da, die mit uns Breathwork, eine intensivierte Atmung, Körperarbeit mit Musik zelebrierte. Diese Technik kann in tiefere Bewusstseinsschichten dringen, psychische und physische Selbstheilungsmechanismen aktivieren und zu mehr Freude und Lebendigkeit führen.

Bei dieser Zeremonie durchlebte man so ziemlich alles was die Gefühlspalette zu bieten hat. Einige von uns hatten hier ganz intensive Erfahrungen auf psychischer Ebene. Ich für meinen Teil hatte eher eine körperliche Wirkung zu spüren bekommen und fühlte mich für einen kurzen Moment schwerelos.

Das klingt unglaublich? Genau das wars auch. Unglaublich und intensiv.

Viel Freizeit hatten wir nicht aber wenn doch, dann machten wir die Insel unsicher. Wo ich außerhalb des Hotels noch so auf Bali war, dazu folgt ein extra Artikel.

Teil 5.

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